quote
--------------------------------------------------
Dem BAR-Honda-Team droht möglicherweise ein Ausschluss aus der diesjährigen Formel-1-Saison. Laut eines Berichts der Fachzeitung "Auto, Motor und Sport" soll in den BAR-Autos ein geheimer Zusatztank eingebaut worden sein, der nicht in den technischen Zeichnungen enthalten ist, die das Team dem Automobil-Weltverband FIA vor der Saison übermittelt hat. FIA-Präsident Max Mosley kündigte ernste Konsequenzen an: "Wenn jemand beim eindeutigen und absichtlichen Betrug erwischt wird, wird er von der WM ausgeschlossen. Egal, wer es ist."
BAR-Boss Fry hat "nichts zu verbergen"
BAR-Boss Nick Fry wies alle Anschuldigungen zurück: "Wir haben absolut nichts zu verbergen. Das Team ist im Besitz von zwei großen internationalen Unternehmen mit hoher Integrität. Glaubt wirklich jemand, dass wir absichtlich gegen das Reglement verstoßen hätten? Nein, wir haben nichts versteckt´, erklärte der Brite und betonte: -Die FIA hat unser System mehrfach geprüft und nichts einzuwenden gehabt. Wenn uns jemand schwächen will, wird das so sicher nicht funktionieren."
Bereits am Sonntag nach dem Großen Preis von San Marino in Imola hatte es erste Anzeichen für Unregelmäßigkeiten am Boliden des Briten Jenson Button gegeben. Der BAR-Honda soll beim Wiegen nach dem Rennen unter dem vorgeschriebenen Mindestgewicht von 600 Kilogramm gelegen haben. Button war zwar nicht disqualifiziert sondern als Dritter gewertet worden, doch gegen die Entscheidung der Rennkommissare legte die FIA Einspruch ein.
FIA vermutet "ausgefeilten Betrug"
Die Verhandlung wird am 4. Mai vor dem FIA-Berufungsgericht in Paris stattfinden, vier Tage vor dem nächsten Rennen in Barcelona. Dann erst wird wohl das ganze Ausmaß der Vorwürfe öffentlich. Die FIA-Kommissare wittern "einen ausgefeilten Betrug, der erhebliche Folgen für das Team haben könnte", so "Auto, Motor und Sport".
Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck kann sich nicht vorstellen, dass BAR mit Vorsatz gegen die Regeln verstößt: "Da sitzt Honda als eine seriöse Weltfirma im Boot. Für die wäre eine Verurteilung und eine entsprechende Bestrafung der Super-GAU." Tourenwagen-König Klaus Ludwig wäre nicht überrascht, wenn sich der Verdacht bestätigen sollte: "Die Technik in der Formel 1 ist so kompliziert und vielfältig, dass dadurch immer wieder Spielraum für Manipulationen vorhanden ist."
BAR-Bolide wurde unter Mindestgewicht gewogen
FIA-Chefkommissar Charlie Whiting soll durch die sehr schnellen Runden im Training und das lange Ausharren der beiden BAR-Honda auf der Strecke bis zum ersten Tankstopp misstrauisch geworden sein. Beim anschließenden ersten Wiegen erreichte Buttons Auto nach Angaben des britischen Senders BBC zulässige 606,1 kg. Komplett leergepumpt brachte das Auto nur noch 594,6 kg auf die Waage.
Das Team habe allerdings durch Telemetriedaten belegen können, dass Buttons Auto während des Rennens in Imola, in dem der Brite hinter WM-Spitzenreiter Fernando Alonso (Spanien/Renault) und Weltmeister Michael Schumacher (Kerpen/Ferrari) auf Platz drei gefahren war, immer über dem Mindestgewicht gelegen habe. So heißt es jedenfalls in einer Mitteilung des Rennstalls.
BAR ohne Angst vor FIA-Verhandlung
BAR-Teamchef Nick Fry hat keine Angst vor der FIA-Verhandlung: "Wir werden die gleichen Daten vorlegen wie den Rennkommissaren, und wir sind zuversichtlich, dass wir einmal mehr beweisen können, dass unser Auto in allen Punkten den Regeln entspricht." Sollte das nicht gelingen, drohen drastische Konsequenzen.
In der Formel 1 gab es 1984 schon einmal einen Gewichtsskandal um das Tyrrell-Team, das jeweils kurz vor Rennschluss seine Autos mit verbleitem Benzin und zusätzlich mit Bleikugeln betankte, um nicht untergewichtig erwischt zu werden. Tyrrell wurden damals alle WM-Punkte der Saison gestrichen. In der Rallye-WM 1996 wurde Toyota nach Schummeleien während der Saison mit sofortiger Wirkung ausgeschlossen.
Erst durch den geheimen Zusatztank sollen die BAR-Mechaniker den BAR 007 kurz vor Rennende auf das geforderte Mindestgewicht von 600 Kilogramm (inklusive Fahrer) gebracht haben", wie "Auto, Motor und Sport" erfahren haben will. Ein Zusatztank bietet den Vorteil, durch einen sehr späten Tankstopp eine wesentlich flexiblere Strategie im Rennen zu haben. Zudem kann das Auto lange Perioden untergewichtig fahren, was sich positiv auf Reifen und Rundenzeiten auswirkt. Erst beim letzten Boxenstopp wird dann der nötige Ballast in Form von Benzin aufgefüllt.
--------------------------------------------------
[/quote]
quelle: focus online
[:0]