Hallo Elise-Begeisterte,

ich habe meine Elise (Bj. 2002, Rover 18K4F-Motor) seit knapp 7 Jahren. Sie stand die meiste Zeit irgendwo rum weil immer daran rum geschraubt wird. Angefangen hat alles mit einem standardgemäßen Kühlerriss des alten Rover-Teils. Ich dachte noch, 12 Jahre, den sollte man wechseln. Bestellt, das Paket war noch nicht angekommen da regnetes es auf einmal aus der Fronthutze blau gefärbtes Wasser. Bis ich die Maschine straßenverkehrstechnisch sicher abstellen konnte vergingen vielleicht noch 30 Sekunden, weil es eine sehr unübersichtliche hüglige Stelle auf einer 1,5 Bahnen-Landstraße war und links und rechts die Drainagengräben verliefen.

Der Motor, ein Honda K20A2-Aggregat, hat das relativ gut überstanden. Die Kompression streute um nur 0,5 bar, das Kühlwassersystem war bis 2 bar dicht. Trotzdem nutzte ich die Gelegenheit einen Zweitmotor zu beschaffen und den von Grund auf neu Aufzubauen und den eingebauten mal auf die Seite zu stellen für ein anderes Projekt *Bonneville-Geschwindigkeitsrekord-Motor*. Damals war ich bereits 5 Jahren in der Motorentwicklung von hochaufgeladenen Gasmotoren am Bodensee tätig, deshalb hieß neu für mich definitiv ohne Aufladung...die langweilt, weil das einfach Schema F heißt. Die hohe Motorbaukunst ist hingegen der Saugmotor, und das sollte was besonderes werden. Zunächst schrieb ich ins Lastenheft 250 Nm von 4500-8500 1/min, nach ersten Abschätzungen ersetzte ich die 250 mit ≥ 260 Nm. Der Zweck: eine Slalom-Anwendung.

Ich habe für das Projekt einige Werkzeuge aufgebaut, wie eine dynamische Chassis-Simulation, mit der man das Fahrzeug über einen zuvor GPS-Datenvermessenen Kurs flitzen lassen kann und z.B. Sektorzeiten rechnen lassen kann. Des Weiteren ein Liefergrad-Modell mit dem ich alle Motorzustände, Energieströme (Abgas, Luft, Kühlwasser, Sprit, …) vorausrechne, ist ganz nützlich bei der Grobauslegung von Motorbauteilen. Das Zentrum der Werkzeuge ist aber die 1D-Motorsimulation, mit der sich u.a. Leistungsdaten (Drehmoment, Leistung) über Drehzahl vorausrechnen lassen. Um letzteres machen zu können, hab ich ca. 2000 Stunden and Programmier- und Kalibrierarbeit, sowie um die 2000 Euro für Messungen eingesetzt. Im Ergebnis konnte ich die Basis auf +-3 Nm genau nachrechnen. Das konnten wir bei besagter ältester Motorbau-Firma nicht mal in der Genauigkeit. Naja, die Basis war gelegt.

Mit dieser tauchte ich in die Welt der Saugmotoren-Optimierung ein. Ich hatte noch nie soviel in so kurzer Zeit gelernt. Die mind. 260 Nm sind für eine 2 Liter-Maschine extrem, diese aber auf 4000 Umdrehungen breit auszudehnen ist verrückt, das hat noch keiner geschafft. Der Motorfachmann spricht hier von 16 bar effektivem Mitteldruck. Zum Vergleich, die F1 der Saugmotorenära lag bei etwa 13,0-14,5 bar im Mittel und in der Spitze bis 15 bar. Also hieß es tief tauchen und nach dem der Berliner Symphonikern gleichen Motoraufbauharmonie zu suchen. Etwa 1 Jahr der all-abend- und wochendlichen Suche/Simulation und zwei oder drei Innovationen später kam ich in der Simulation tatsächlich ziemlich stabil auf 260-270 Nm von 4500-8500 1/min. Wer Motoren abstimmt, der weiß was Liefergrade bis 1,38 bedeuten, d.h. das der Zylinder freisaugend mit bis zum 1,38 fachen des Umgebungsdrucks aufgeladen wird. Möglich wird das nur durch die Harmonisierung aller Bauteile vom Luftfilter bis zum Endrohr auf diesen Zweck, d.h. Prototypen bauen von vorne bis hinten.

Mit insgesamt 6 Firmen und jetzt im 3 Jahr der Bauphase steckend scheint das ganze langsam fertig zu werden. Ich kann Euch sagen, das waren harte Jahre der Doppelbelastung. Die Finanzierung stemmte ich allein, zwei Jobs, Vollzeit, inzwischen bei einem Hybridmotorhersteller, und nebenher weltweit als Motorabstimmer. Die Rückschläge möchte ich hier gar nicht aufführen, die bisherigen Ergebnisse schon. Muss das später noch bebildern. Wenn alles klappt kann ich Ende Juni abstimmen. Montag fangen wir mit dem Kabelbaum an, der hat neben den Honda-K-Serie-Sensoren 12 extra Sensoren...unteranderem um die vollfunktionale onboard-online Leistungsmessung mit Daten zu füttern oder die elektrische Wasserpumpe mit der Ladedruckregelfunktion zu steuern 😄. War etwas Arbeit 😁

Achso, das Motorprojekt trägt den Namen bDAMPFHAMMER[/b], deshalb der Titel meiner Vorstellung.

Danke fürs Aufnehmen [:)], ich freu mich schon auf interessante Diskussionen und gegenseitige Hilfe wenn es mal wo brennt.

Markus